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Power Fahrrad-Tour Oktober 2011 Teil 2, Tage 7 und 8

Mittwoch, 12. 10. 2011 – Berlin


Die Tourbusanlagen-Konsens-Band Nr. 1 am heutigen Tag: mal wieder NOFX.

In Berlin sucht Bocky zuerst mal seine vierbeinige Herzensdame Smilla auf und haut ab in den Park. Später bekommt er Migräne und erscheint daher erst gegen halb zehn im Tommyhaus, dafür wenigstens stilecht faustschwingenderweise mit dem Fahrrad. Dort hat zwischenzeitig auch Max aufgeschlagen, der uns schon bei unseren beiden Konzerten im Kafe Marat in München beehrt hat. Diesmal hat Max allerdings ein Köfferchen mit Tattoekrams dabei. Da uns kein anderer Raum zur Verfügung steht, wird im engen Backstagebereich wo sich bereits vier Bands tummeln mit Bierkästen, Enti und einer dämmerigen Funzel neben dem Kühlschrank Max' konspirativer Arbeitsplatz improvisiert - hundertprozentig das richtige Ambiente für meine erste Tätowierung. Immerhin habe ich an gleicher Stelle auch vor etwa 13 Jahren mein erstes Punkkonzert gesehen. Etwa eine Stunde später hat Max sich auf Mir, Olli und Marco vor den irritierten Augen der anderen Bands verewigt. Voll geil!



Mehr und mehr schlagen liebgewonnene Freunde und Bekannte auf. Die anderen drei Bands machen jeweils Hardcore mit teils starken Metal-, teils leichtem Pop-, und mit wenig Punkeinschlag. Also Hardcore von der Art, mit der ich eher nicht so viel anfangen kann.

Als wir nach unzähligen Breakdowns als dritte Band an der Reihe sind spüre ich instinktiv, dass heute der richtige Tag für das kleine Rote ist. Bocky hat mit den Nachwirkungen seiner Migräne und dem Bühnensound zu kämpfen. Bei mir erreicht der Spaßfaktor heute dagegen einen vorläufigen Höchstwert, auch weil während des Konzerts noch mehr bekannte Gesichter im Publikum auftauchen. Nach zahlreichen Verabschiedungen lassen wir den Abend bei Bier und Pizza ausklingen. Nur Bocky rollt sich andernorts mit Smilla ein.

Am nächsten Morgen bekommt Olli beim Frühstückseinkauf erneut ein mutmaßlich nicht ganz seriöses Jobangebot. Am Ende der Verhandlungen bleiben wir Sieger. Auf nach Gießen zur kurzfristig noch gebuchten Show im AK 44.


Donnerstag, 13. 10. 2011 – Gießen


Sehr cool, dass diese Show Montag Nacht noch in unser Tourprogramm gerutscht ist. Bei einer zehntägigen Tour ist ein Off-Day schließlich mehr als genug. Aufgrund der Kurzfristigkeit sind unsere Erwartungen entsprechend niedrig, auch wenn uns über das AK 44 bisher nur durchweg Positives berichtet worden ist. Mir zuletzt von Vånna Inget auf dem Weg nach Mannheim.

Der Laden wirkt auf Anhieb sympathisch, auch wenn fast direkt gegenüber die unappetitliche „Burschenschaft Germania“ ansässig ist.

Wir werden von lieben Menschen mit einem mehrgängigen veganen Sternemenü bewirtet und ich schlürfe genüsslich eine Literflasche des hiesigen Äbbelwois. Unser Ansprechpartner vor Ort legt einen vortrefflichen Geschmack an den Tag. Sein letzter Besuch in Kiel vor ein paar Jahren, so erfahre ich im Gespräch, diente dem Besuch eines Satan's Wife Konzerts in der Alten Meierei.

Die erwarteten Gästezahlen werden klar übertroffen und der Gig wird ein großer Spaß. Auch wenn Bocky zum ersten Mal überhaupt eine Basssaite reißt und das überdimensionierte Drumset der Hauptband den Rest der Band ziemlich wegrömert.

Bei besagter Hauptband handelt es sich um Barnburner, die beim ersten Einruck etwas verplant und lethargisch wirken, was mich eine lahme, hippieeske Stoner-Jam-Suppe befürchten lässt, doch weit gefehlt. In einer unfassbaren Lautstärke, die nur durch die Backline plus Gesangsanlage erzeugt wird, walzen die Kanadier alles nieder. Der aufgerissene Bassamp bringt sogar den Steinfußboden zum Zittern. Stoner mit Crustpunk-Einschlag? Valient Thorr mit runtergestimmten Instrumenten? Auf jeden Fall ein Wahnsinnsbrett das uns da vor den Latz geknallt wird. Noch ein Paar Leute mehr und die Entscheidung, das Ding als Floorshow durchzuziehen (also die Band vor der Bühne aufzubauen) wäre gefloppt, so passt wirklich alles. Ein Bandmitglied sieht Dave Mustaine so ähnlich, dass ich ihn später fragen muss, ob er zufällig mit ihm verwandt ist. Ist er nicht, wurde er aber schon häufiger gefragt. Alle sind guter Dinge und wir dürfen Bier nachordern, bis wir nicht mehr können. Kelling kommentiert treffend: „Nichts erwartet, alles bekommen!“

Nachts entfaltet der gegorene Apfelmost seine abführende Wirkung und sorgt für einige Schlafunterbrechungen. Zum Glück habe ich nur eine Flasche verzehrt, nachdem ich vor noch fataleren Ausmaßen der Nebenwirkungen dieses leckeren Getränks gewarnt wurde.

Eingestellt von DoctorJoyBoyLove

Kommentare   

 
0 #1 Kochi 2011-10-16 21:15
Immer wieder schön zu lesen, diese Tourberichte. Danke fürs Teilhabenlassen .
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0 #2 DoctorJoyBoyLove 2011-10-16 21:37
Danke für's Teilhaben. Teil 3 ist auch schoin fertig. Kommt morgen oder so.
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